Vom groben zum feinen Steinzeug

Bedingt durch die Brenntechnik im ursprünglichen Kammerofen, wo die Brenndauer einschließlich Abkühlphase bis zu sieben Tage betrug, musste der sogenannte fette Ton durch Beimischung von Schamotte (gemahlene Tonscherben) gemagert werden. Diese Mischung bewirkte eine inhomogene Materialstruktur, die sich nachteilig auf die Festigkeit des Tonscherbens auswirkte. Lunkern (Hohlräume), die durch gröbere Einschlüsse bzw. durch Ausbrand von organischen Kohlenstoffen hervorgerufen wurden, waren nicht zu vermeiden. Durch einen Glasurüberzug wurde die Dichtheit des Scherbens sichergestellt.

Die moderne Brenntechnik, in Tunnelöfen, reduziert die Brennzeit auf 1,5 bis 3 Tage und die hohe Brenntemperatur von ca. 1200 °C bewirkt eine Sinterung (Anschmelzen) der Materialpartikel. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Dichtbrennen". Die Glasur erhöht die Oberflächenglätte dieser Rohre und hat nun vor allem optischen Charakter. Bis heute werden traditionelle grobkeramische Muffenrohre auf diese Art und Weise gefertigt.

Erst die Erfindung des Rollenofens (1984 erhielt Hepworth für dessen Entwicklung den "Queens Award for Technical Achievement") stellte neue Ansprüche an das Rohrmaterial: Nun kommen die besondere Feinheit, Reinheit und die optimale Materialmischung der Tonmineralien aus den 5 Hepworth-Tongruben zur Geltung. Ohne Zugabe der relativ groben Schamotte (Korngröße 1,8mm) erfolgt neben einem reinigenden Vorbrand (Kalzinierung) eine Feinmahlung (Korngröße 0,25mm) des Tonmaterials.

Die muffenlosen Rohre durchlaufen in fünf bis zwanzig Stunden - je nach Nennweite - den gesamten Trocken- und Brennprozess. Der gelbrot glühende (1160°C), weiche Rohrzylinder wird durch die Rotation und Gravitation auf den Stahlrollen maßhaltig kreisrund bis zum Abkühlen und Erstarren geführt. Das homogene, feinstrukturierte Steinzeugmaterial des so produzierten muffenlosen Rohres weist höhere Festigkeiten und Maßhaltigkeit auf.

Das Schnellbrandrohr kann daher dünnwandiger produziert werden, d.h. es ist leichter und schlanker - und trotzdem so tragfähig, dass es immer der Hochlastreihe gem. DIN EN 295 entspricht!



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